Das Beratungsgespräch in Osnabrück

Am 23. 1. fuhr ich zu einem Beratungsgespräch wegen der GaOP nach Osnabrück. Meine Frau begleitete mich.
Die Klinik Osnabrück ist ein Riesenkomplex mit weiten Wegen. Wir hatten ganz schön zu gehen — vom Parkplatz zum Haupteingang und dann vom Haupteingang zur Urologie. Dort meldete ich bei 2 Damen an. Ich war sehr aufgeregt. Da kam der Chef der Urologie, ein Professor, herein, meinte zu mir dass es bald losginge und streichelte meinen Arm.
Wir setzten uns in den Wartebereich und da wurde ich von einem älteren Herrn uns gegenüber angestarrt. Nach einigen Minuten reichte es mir, ging hinüber und fragte, ob ich mich auf den übernächsten Stuhl setzen dürfe. Dann sprach ich den Herrn an: „Wie ich sehe haben Sie irgendein Interesse an meiner Person.“ Der ältere Herr war vorher schon unentspannt, aber nachdem ich meinen Spruch losgelassen hatte erstarrte er zur Salzsäule. Nachdem ich  mich wieder zu meiner Frau gesetzt hatte hörte jedenfalls das Anstarren auf.
Ziemlich pünktlich zur bestellten Uhrzeit kam der Professor wieder und wir gingen in ein Untersuchungszimmer. Dort legte ich das Gutachten meiner Psychotherapeutin vor.
Obwohl dem Professor mein Schreiben vorlag, fragte er mich nach meinen Wünschen. Ich antwortete, dass ich gerne eine Klitorisrekontruktion, eine Reko der großen Schamlippen und eine Verlegung und kürzung der Harnröhre hätte. Zusätzlich hätte ich noch gerne wegen der Optik die Anlage der kleinen Schamlippen und des Klitorishäubchens. Aber eine Vagina bräuchte ich nicht und nannte meine Gründe.
Er meinte, dass man das alles so machen könne, aber dafür müsse man etwas Tiefe schaffen und das ginge nur mit einer kurzen Vagina, die ich auch nie dehnen müsse.
Mit der Minimallösung von Potsdam hätte ich leben können, aber diese Lösung sagt mir doch viel eher zu. Danach wurde ich noch darüber aufgeklärt, dass er selbst operieren würde und dass ich evtl. mit einer Korrektur-OP rechnen müsse. Die Wartezeit nach der Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse würde 3-4 Monate betragen. Etwa 4 Wochen nach der OP sei eine Kontrolle vorgesehen und etwa 5-6 Monate nach der OP könne man die Korrektur-OP machen. Bei dieser Korrektur-OP würde dann auch noch ein Schamhügel angelegt. Ich meinte noch, dass mein Frauenarzt die Nachsorge übernehmen könne.
Dann sollte ich meine Hose für eine Untersuchung runterlassen. Der Professor machte ein Ultraschall der Hoden (die scheinen nur noch winzig zu sein) und der Prostata. Bei Beidem gab es nichts ungewöhnliches. Er fragte mich, ob ich mit einem Ultraschall der Prostata vom Darm aus einverstanden sei und zeigte mir einen langen, nicht gerade dünnen Stab. Das wollte ich dann aber doch nicht, was auch auch in Ordnung wäre. Aber abtasten müsse er die Prostata. Der Urologe von Gersfeld war ein Metzger, der Professor ging dagegen sehr behutsam vor — so behutsam, dass ich beinahe abging wie eine Rakete. Der gute Mann traf genau meinen G-Punkt. Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas überhaupt habe!
Dann machte sich der Professor noch einige Notizen und meinte, dass ich in etwa einer Woche ein Schreiben für die Krankenkasse erhalten würde.
Nach einer 3/4 Stunde wurden wir herzlich verabschiedet.
Osnabrück ist über 300 Km entfernt, aber der Weg hat sich gelohnt. Auf dem Hinweg war ich sowas von nervös, da war ich ganz froh, dass meine Frau den größten Teil der Strecke fuhr. Und auf dem Rückweg gingen mir soviele Gedanken durch den Kopf, dass ich froh war, dass meine Frau uns auch noch nach Hause fuhr. In der Gegend zwischen Hattenbachdreieck und Fulda fingen dann bei mir die Tränen zu kullern an. Ich war nur noch glücklich.
Ich war glücklich darüber, dass möglicherweise alles noch bis Weihnachten gemacht sein könnte. Ich war glücklich, dass ich bald zumindest äußerlich eine komplette Frau bin — mit allem was dazugehört.
Jetzt muss nur noch die Krankenkasse bzw. der MdK der Empfehlung meiner Psychotherapeutin folgen und den Antrag auf Kostenübernahme, den ich in der zweiten Februarwoche auf den Weg bringen werde, genehmigen. Den ersten Antrag habe ich erst einmal zurückgezogen.
Ich könnte im Augenblick die ganze Welt umarmen.
Eure Emma
PS: Was ich nicht verstehe: Warum soll ich das Gynokadin schon 4-6 Wochen vor einem OP-Termin absetzen? Wegen angeblicher Thrombosegefahr, die bei einem Gel kaum erhöht ist? Was ist mit den unweigerlich auftretenden Depressionen beim Absetzen des Östrogens? Bei biologischen Frauen kann man ja vor großen OP‘s ja auch nicht den Östrogenspiegel herunter setzen. Ich für mein Teil weiß, dass das Gynokadin nach 4-5 Tagen im Körper abgebaut ist, sonst würde sich ja ein extrem hoher Östrogenspiegel aufbauen. Deshalb werde ich das Östrogen auch erst 4-5 Tage vor dem OP-Termin absetzen und nach der OP umgehend wieder damit anfangen.

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