Die Monate vor dem Urknall (langer Artikel)

So etwa zwischen 3 Uhr und 5 Uhr diese Nacht gingen mir einmal wieder 137 Dinge burch den Kopf. Es tauchten die Monate vor dem Oktober 2017 aus dem Nebel auf. Das ist die Zeit zwischen der Erkenntnis, dass sich bei mir Frauenbrüste entwickeln und dem Ende der Tramadoleinnahme. Da war noch voll von dem Opiat umnebelt. Ich begann so etwas wie ein Tagebuch zu führen.
Am 14.5. notierte ich folgendes:
Ich oute mich gegenüber meiner Frau.
Seit etwa 2 Wochen habe ich das Gefühl, dass meine Brust (Brüste) größer werden. Seit ein paar Tagen sind sie tatsächlich größer.
Da meine Hoden gleichzeitig kleiner werden, vermute in hier einen Zusammenhang. Vielleicht ist der Testosteronspiegel zu niedrig.
Am 23.5. war ich bei meinem Hausarzt. Der war sehr überrascht. Zwischendurch waren meine Frau und ich BH‘s kaufen. Die Größe 95B war schon recht gut gefüllt.
Und am 31.5. notierte ich:
Seit dem Himmelfahrtstag (25.5.2017) bis heute (31.5.2017) haben sich die Schmerzen, die seit August 1992 mein ständiger Begleiter sind nicht mehr gemeldet.
Es gab in der Vergangenheit schon den eine oder anderen Tag ohne Schmerzen, aber jetzt schon eine Woche — das ist unbeschreiblich.
Das Gespräch am 14.5. mit meiner Frau war schon so etwas wie ein kleines Coming Out. In der Folge war ich zwar noch ein Mann mit Vollbart, trug aber wegen meiner empfindlichen Brüste BH‘s. Vielleicht war die Fibromyalgie psychosomatischer Natur und weil ich damit anfing nichts mehr zu verdrängen verschwanden die Schmerzen über Nacht. An das, was noch folgen sollte dachte kein Mensch — ich war ja immer noch in dem Tramadolnebel.
Am 1.6. schrieb ich folgende Notiz:
Nicht gerade die beste Nacht gehabt.
Wir wollen mit unserem jüngsten Sohn nach Sinsheim ins Technikmuseum und sind um 5 Uhr aufgestanden.
Nachdem ich gestern Abend kurz nach 11 Uhr das Licht ausgemacht hatte bekomme ich auf einmal wieder Hitzewallungen. Irgendwann bin dann eingeschlafen. Ich habe gerade einen Traum, als ich von Susi geweckt werde.
In dem Traum erscheint mir eine sagen wir — „gute Fee“ — die mir mitteilt, dass ich auf dem Weg bin zum größten Teil den Körper einer Frau zu bekommen. Dafür hätte ich fortan keine Schmerzen wegen der Fibromyalgie mehr. Diese seien ja an den Körper des Mannes Karl-Heinz gebunden…… Dann jaulte Susi.
Das muss ich erst einmal verarbeiten. Dass ich irgendwie am Körper fraulicher werde ist mir gestern im Lauf des Tages aufgefallen. Irgendwie wandert Körperfett an andere Stellen, wo Frauen mollig sind und nicht Männer.
Träume dieser Art hatte ich in den Jahren vorher schon ein paar Mal. Ich sprach aber nie darüber.
Am 7.6. notierte ich folgendes:
Betrifft FMS: Bisher immer noch nichts spürbar.
Betrifft Schuppenflechte: Da geht Alles munter weiter.

Die Nacht wieder einen blöden Traum gehabt: Ich habe volles, lockiges Haar und gehe spazieren — in einem bunten Sommerkleid……..

Das kommt vielleicht davon, dass ich gestern entdecke, dass die Kopfhaare beginnen nach zu wachsen.

Am Sonntag waren wir bei meinen Eltern. Es war alles in Ordnung und ein schöner Tag. Ich hatte Angst, dass jemand meinen körperlichen Zustand bemerkt. Ist aber dank Sportbustier für meine Brüste gut gegangen.

Seit Himmelfahrt, 25.5.2017 trage ich einen BH oder ein Bustier. Die Brustwarzen sind so empfindlich, dass es mir bei Reibung mit einem Stoff richtig Schmerzen bereitet. Und wenn es nicht schmerzt kommt es zu einer Dauererregung — auch im Penis.
Das ist auch so eine Sache: monatelang regt sich zwischen den Beinen kaum noch etwas und kaum wachsen mir Brüste und die Brustwarzen verändern sich, da rührt sich auch am Penis wieder etwas und ich habe auch wieder Lust auf meine Frau. Es ist aber irgendwie anders. Die Brüste sind neue erogene Zonen. Wenn ich vorher bei einem Kuss einen Körperkontakt mit der unteren Körperhälfte suchte, so such ich jetzt mit meinen Brüsten den Kontakt.
Alles sehr merkwürdig???

Seit Monaten bemerke ich einen Schwund der Körperbehaarung. Zunächst ist sie an den Beinen fast völlig verschwunden, jetzt verschwindet sie ganz rasant an den Armen. Und am Körper ist es offensichtlich so, dass sich die Haare in den Stoff eines bspw. T-Shirts schieben und dann ganz einfach unbemerkt aus der Haut gezogen werden. Jedenfalls kann ich mir von meiner Kleidung — auch wenn keine Katzen in der Nähe sind — ständig Haare wegmachen.
Unter den Achseln mussteich mich vor vielleicht 4 Wochen rasieren. Bisher sind da keine Haare nachgewachsen — vielleicht kann man die Körperbehaarung mit rasieren dauerhaft entfernen. Es sieht blöde aus — mit den Brüsten und den Haaren.

Ich hatte bis vor einigen Tagen die Schuppenflechte in Verdacht. Das ist jetzt nicht mehr so, ich denke eher, dass die Hormone völlig durcheinander gewirbelt werden.

Vergangene Woche ist meine Frau mit mir Kleidung kaufen gegangen. Abgesehen von Oberbekleidung suchte sie mir auch zwei BH’s und ein Bustier aus. Was für ein Glück, dass meine Frau so verständnisvoll ist, auch wenn es ihr sichtlich zu schaffen macht. Die Veränderung kommt aber auch so schnell……

Die Brüste zeichnen sich unter der Oberbekleidung schon ab, vor allem im Profil. Seit ein paar Tagen kribbelt, zieht und juckt es in der Brust. Die Haut hat sich auch etwas gedehnt — beim Bücken ist das recht locker — offensichtlich wird ein neuer Wachstumsschub eingeleitet. Das war vor etwa 3 Wochen, als die Brüste ihre jetzige Größe erreichten auch so.

Manchmal habe ich echt das Gefühl, dass ich mich langsam zur Frau entwickle. Entweder habe ich zu viel weibliche Hormone, die die männlichen Hormone unterdrücken; oder die Produktion von männlichen Hormonen wurde klammheimlich eingestellt.

Danach war ich bei einem Urologen. Nach einigen Untersuchungen kam er zu dem Ergebnis, dass der Testosteronspiegel sehr niedrig war. Er machte den Vorschlag einer Hormontherapie und einer Entfernung der Brüste.
Ich kam für mich nach einigem Überlegen zu dem Ergebnis, dass ich kein Testosteron zusätzlich nehme und die Brüste auch auch an ihrem Platz bleiben. Ich hatte ganz einfach die Angst, dass die Schmerzen wieder anfangen. Außerdem fing ich an mich als Frau zu fühlen, als Frau zu denken und zu handeln. Und ich fühlte mich wohl damit.
Am 8.7. kam diese Notiz dazu:

Meine Brüste sind offenbar wieder etwas größer geworden. Jedenfalls hatte ich seit vorgestern ein Spannungsgefühl in den Brüsten und es spannte heute bei einem kurzen Hemd.

Seit ein paar Tagen befinde ich mich in einer Identitätskrise: Bin ich noch ein Mann oder schon mehr eine Frau oder irgendetwas dazwischen. Ich ertappte mich öfters bei Gedanken, die eher „weiblich“ sind.

Trotz positiver Grundstimmung kann ich halbe Nächte nicht schlafen. Zum Beispiel kommen mir dann Gedanken:
— Wenn mein Körper schon umgebaut wird, dann soll es wenigstens schnell gehen, damit ich endlich weiß, wohin diese Reise geht.
— Wenn meine Oberweite weiter wächst brauche ich Blusen anstelle Hemden, dann passen aber keine Schlabberhosen mehr dazu dann müsste ich einen Rock anziehen.

Und am 10.7. notierte ich unter Anderem dieses:

Weil ich immer noch keine FMS-Schmerzen habe will ich zusammen mit meiner Hausärztin das Tramadol absetzen. Ich habe da etwas Angst davor. Andererseits — wenn ich die Schmerzen in den Brüsten spüre — kann es mit der Wirkung nicht mehr so toll sein.

Die Brüste sind eine neue erogene Zone bei mir. Wenn die Brüste stimuliert werden tut sich am Penis recht viel. Eigentlich sollte es bei einem grenzwertigen Testosteronspiegel anders sein.

Vorhin habe ich mal zu zu meiner Frau gesagt, was mir Nachts so durch den Kopf geht. Sie war darüber etwas überrascht, aber nicht negativ. Letzte Nacht träumte ich davon, dass ich bei noch größeren Brüsten Blusen anziehen müsse und die ja nicht wirklich zu Schlabberhosen passen, sondern eher zu Röcken.

In der Folge kaufte ich mir einige Sarongs, die ich im Haus, Hof und Garten anzog. Obwohl ich immer noch ein „Mann“ mit Vollbart war fühlte ich mich schon sehr weiblich. Aber der Gedanke, dass ich transsexuell sein könnte kam mir immer noch nicht. Anfang September hatten meine Frau und ich noch einmal einen gemeinsamen Termin bei meinem ehemaligen Schmerztherapeuten. Der sprach erstmals das Wort „Transsexuell“ aus. Ich schob das allerdings immer noch weit weg.
Ab etwa Anfang August schlich ich dann das Tramadol aus. Als mein Körper dann am 29.9. entgiftet war, kreisten meine Gedanken 7 Tage lang.
Wie es weiter geht wisst ihr ja.
Eure Emma

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